Das Jahr 2025 hat auf dem deutschen Arbeitsmarkt deutliche Spuren hinterlassen und markiert mit der höchsten Arbeitslosenzahl seit zwölf Jahren eine Zäsur. Doch die Probleme beschränken sich nicht nur auf die Jobstatistik: Die anhaltende Wirtschaftsschwäche reißt mittlerweile tiefe Löcher in die Kassen der Kommunen, wie aktuelle Daten der Bundesagentur für Arbeit und Berichte des Städte- und Gemeindebundes belegen. Für das Jahr 2026 zeichnet sich keine schnelle Entwarnung ab.
Arbeitsmarkt unter Druck
Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sprechen eine deutliche Sprache. Im Durchschnitt waren im Jahr 2025 rund 2,948 Millionen Menschen ohne Job, was einem Anstieg von 161.000 im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Einen solch hohen Jahreswert gab es seit 2013 nicht mehr. Auch der Dezember brachte keine wirkliche Entlastung, wenngleich der Anstieg der Arbeitslosigkeit etwas moderater ausfiel als von Analysten befürchtet. Saisonbereinigt wuchs die Zahl der Erwerbslosen um 3.000, während Experten mit einem Zuwachs von 5.000 gerechnet hatten. Die Quote verharrte stabil bei 6,3 Prozent, was jedoch kaum über die grundlegende Schwäche hinwegtäuschen kann.
Andrea Nahles, die Chefin der Bundesagentur für Arbeit, dämpfte folgerichtig die Erwartungen für das kommende Jahr. Zwar sei die Talsohle wahrscheinlich erreicht, doch mit einer spürbaren Erholung sei frühestens ab der Jahresmitte zu rechnen. „2026 ist kein Jahr der Entwarnung, sondern ein Jahr mit spürbaren Herausforderungen“, betonte Nahles. Selbst staatliche Konjunkturpakete und eine leichte Belebung am Bau würden nicht ausreichen, um die Arbeitslosigkeit signifikant zu senken. Der Arbeitsmarkt habe schlichtweg an wirtschaftlicher Dynamik verloren, und dieser schwache Trend setze sich zum Jahreswechsel fort.
Strukturelle Krise der Industrie
Ökonomen sehen in dieser Entwicklung mehr als nur eine konjunkturelle Delle. Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der ING, verweist darauf, dass die Arbeitslosigkeit in den letzten vier Jahren um rund 500.000 Personen zugenommen hat. „Diese schleichende Verschlechterung folgt dem ökonomischen Lehrbuch“, analysierte Brzeski. Wenn eine Volkswirtschaft über mehr als fünf Jahre stagniere und die Kernindustrien mit massiven strukturellen Problemen kämpften, sei eine Eintrübung am Arbeitsmarkt unvermeidlich.
Diese Einschätzung wird durch die sinkende Nachfrage nach Arbeitskräften untermauert: Im Dezember waren bei der Arbeitsagentur 619.000 offene Stellen gemeldet – 35.000 weniger als noch vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg im Jahresdurchschnitt von 6,0 Prozent im Jahr 2024 auf 6,3 Prozent im Jahr 2025. Brzeski warnt, dass diese persistente Schwäche des Arbeitsmarktes auch den privaten Konsum im Jahr 2026 belasten und somit jede potenzielle Erholung erschweren dürfte.
Vom Reichtum zur Finanznot: Das Beispiel Weissach
Wie dramatisch die Lage in der deutschen Industrie ist und wie unmittelbar dies auf die öffentlichen Haushalte durchschlägt, zeigt sich exemplarisch in Weissach. Die kleine Gemeinde in der Nähe von Stuttgart, Heimat des Entwicklungszentrums von Porsche, galt lange als reichste Kommune Deutschlands. Dank der sprudelnden Gewerbesteuern des Luxuswagenherstellers konnte die Stadt ihren 7.700 Einwohnern Annehmlichkeiten bieten, von denen andere nur träumten: Baukindergeld von 10.000 Euro, eine exzellente Bibliothek und Zuschüsse für den Musikunterricht. Im Jahr 2009 nahm die Gemeinde noch 20.000 Euro Steuern pro Kopf ein.
Doch diese fetten Jahre sind vorbei. Die deutsche Automobilindustrie steckt in der tiefsten Krise ihrer Geschichte, und bei Porsche brachen die Gewinne im Jahr 2025 um rund 96 Prozent ein. Die Folge ist ein rapider Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen, auf die sich viele Kommunen verlassen hatten. Was einst als Polster für schlechte Zeiten gedacht war, schmilzt nun dahin.
Kommunen im freien Fall
Weissach ist hierbei nur die Spitze des Eisbergs. „Die Finanzen der Kommunen befinden sich im dramatischen freien Fall“, warnte Ralph Spiegler, Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB). Selbst einst wohlhabende Städte können ihre laufenden Ausgaben kaum noch decken. Die Ausgaben der Städte und Gemeinden summierten sich 2024 auf 400 Milliarden Euro, und für 2025 wird aufgrund steigender Personal- und Energiekosten ein weiterer Anstieg prognostiziert.
Das Hauptproblem sind jedoch die explodierenden Sozialausgaben. Die Kommunen tragen die Last für einen Großteil der staatlichen Daseinsvorsorge – von Kitas über die Müllabfuhr bis hin zu Sozialleistungen. „Wir sprechen hier von einer Verdreifachung in den letzten 20 Jahren, ohne dass die Finanzierung auch nur annähernd Schritt gehalten hätte“, erklärte Spiegler.
Forderung nach neuer Lastenverteilung
Besonders die Integration von Geflüchteten und Migranten bringt die lokalen Verwaltungen an ihre Grenzen. Schulen, Integrationskurse und Ausländerbehörden sind vielerorts überlastet. Angesichts dieser Zuspitzung fordert der Städte- und Gemeindebund ein Umdenken bei der Finanzierung.
Spiegler plädiert für eine faire Drittelung der Kosten für soziale Leistungen zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Zudem müssten die Kommunen stärker in den Gesetzgebungsprozess eingebunden werden, da aktuell Bund und Länder Gesetze beschließen, deren finanzielle und administrative Umsetzung dann oft an den Kommunen hängen bleibt. Nur so ließen sich nicht nur die finanziellen Lasten, sondern auch die Verantwortung für notwendige Reformen gerecht auf alle staatlichen Ebenen verteilen.