Zwischen Energiehunger und Marktberuhigung: Die LNG-Strategie auf dem Prüfstand

Das LNG-Terminal „Deutsche Ostsee“ vor Rügen ist in den Regelbetrieb gegangen. Nach Angaben des Betreibers, der Deutschen ReGas, hat der Tanker „Hellas Diana“ zwischen Mittwoch und Freitag der vergangenen Woche die Entladung abgeschlossen – ein technisches Novum, da erstmals weltweit LNG an zwei miteinander gekoppelten Regasifizierungsschiffen gleichzeitig entladen wurde. Mit den beiden FSRUs „Energos Power“ und „Neptune“ vor Ort soll das Gas nach der Umwandlung direkt in Richtung Lubmin und von dort ins deutsche Netz fließen.

Ingo Wagner, geschäftsführender Gesellschafter bei ReGas, spricht von einem Meilenstein nach einer zähen Vorbereitungsphase. Er sieht in der Anlage einen Eckpfeiler für die Versorgungssicherheit nicht nur für Deutschland, sondern auch für Österreich und Osteuropa. Das Zielvolumen ist ambitioniert: Rund 13,5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr werden angepeilt, was etwa 15 Prozent des aktuellen deutschen Jahresbedarfs deckt. Doch die Idylle der touristisch geprägten Ostküste Rügens und der politische Wille hinter dem LNG-Beschleunigungsgesetz treffen auf eine hitzige Debatte. Kritiker wie die Deutsche Umwelthilfe wettern gegen eine vermeintliche „Investitionsruine“ und stellen die Frage, ob bei den ohnehin volatilen Liefermengen jemals ein wirtschaftlicher Betrieb möglich ist, ganz zu schweigen von der ohnehin schwindenden Sorge vor einer echten Gasmangellage.

Während man sich in Deutschland noch über Sinn und Unsicherheit streitet, zeichnet sich auf globaler Ebene eine gewisse Entspannung ab. Der Gasmarkt steht vor einer Rückkehr ins Gleichgewicht, sofern der Persische Golf als Logistikdrehkreuz offen bleibt. Philip Mshelbila vom Gas Exporting Countries Forum (GECF) rechnet damit, dass sich der Markt im dritten Quartal stabilisiert. Die geopolitischen Verwerfungen – insbesondere die Auseinandersetzungen zwischen den USA, Israel und Iran – hatten die Preise zuletzt auf ein Niveau getrieben, das wir seit 2022 nicht mehr gesehen haben. Besonders Europa, das sich nach dem Wegfall der russischen Pipelines in eine fast schon existenzielle Abhängigkeit von Flüssiggas begeben hat, litt unter diesen Preisspitzen.

Der Ausfall katarischer Lieferkapazitäten, verursacht durch Schäden am Hub Ras Laffan und die Blockade der Straße von Hormus, hatte das Angebot massiv verknappt und sogar US-amerikanisches LNG verteuert. Nun gibt es Lichtblicke: Die katarische Regierung signalisiert, dass die Produktion – von den physisch beschädigten Anlagen einmal abgesehen – in wenigen Wochen wieder zur Normalität zurückkehren soll. Das GECF erwartet, dass die Gasflüsse gegen Ende des Jahres wieder das Vorkriegsniveau erreichen könnten. Ob diese globale Markterholung die Bedenken an der Rügen-Küste entkräften kann, bleibt abzuwarten; die Abhängigkeit bleibt ein Spiel mit vielen Unbekannten.