Wie werden wir eigentlich reich? Thomas Kehl hat auf diese oft gestellte Frage erstaunlich unaufgeregte Antworten. Der Wirtschaftswissenschaftler, Bankkaufmann und Bestsellerautor erreicht mit seinem 2016 mitgegründeten YouTube-Kanal „Finanzfluss“ monatlich ein Millionenpublikum. Die Wirtschaftswoche nannte ihn einmal treffend den „Dr. Sommer der Finanzwelt“. Vor Kurzem war der Finfluencer im Podcast „Alles gesagt?“ zu Gast, wo er detailliert über das komplexe Verhältnis der Deutschen zur Geldanlage sprach. Themen waren unter anderem der unberechenbare Immobilienmarkt, die historische Telekom-Volksaktie, die plötzliche Macht digitaler Finanzcommunitys im Gamestop-Fall und vor allem jene Anlageprodukte, die mittlerweile in fast jedem modernen Depot liegen: ETFs. Zusammen mit Mona Linke, mit der er auch eine regelmäßige Kolumne bei Zeit Online schreibt, hat Kehl zudem den Dauer-Bestseller „Das einzige Buch, das Du über Finanzen lesen solltest“ verfasst.
Lehrjahre und schmerzhafte Einsichten Kehls heutige Expertise basiert dabei durchaus auf eigenen Fehlern und Umwegen. Der 1989 geborene Saarländer war in seinem Freundeskreis schon als Teenager immer „der Finanztyp“. Nach dem Abitur absolvierte er eine Banklehre und studierte BWL an der Frankfurt School of Finance and Management sowie in Paris. In dieser Zeit arbeitete er parallel als Anlageberater für einen Strukturvertrieb. Heute blickt er kritisch auf diese Phase zurück und distanziert sich klar von den damaligen „Tschakka-Tschakka-Sprüchen“, von denen er sich einst blenden ließ. Sogar seine Eltern mussten empfindliche Börsenverluste hinnehmen, nachdem er sie beraten hatte. Aus diesen Erfahrungen zog er Konsequenzen: Während er noch als Analyst für die Investmentbank Natixis in Paris tätig war, hob er gemeinsam mit seinem Freund Arno Krieger das Projekt Finanzfluss aus der Taufe, das seinen Sitz mittlerweile in Berlin hat.
Die Macht der breiten Marktstreuung Genau diese Exchange-Traded Funds (ETFs), deren Funktionsweise Kehl unermüdlich erklärt, bilden das Fundament einer rationalen und langfristigen Anlagestrategie. Ein klassisches Beispiel für ein solches Instrument ist der Vanguard Total Stock Market Index ETF (VTI). Dieses Finanzprodukt richtet sich ausdrücklich nicht an Zocker, die blind auf die nächste Trend-Aktie hoffen. Vielmehr ist es für Investoren gedacht, die erkannt haben, wie aussichtslos die ständige Jagd nach Einzelgewinnern ist. Wer einen breiten Markt-ETF kauft, erwirbt im Grunde nahezu alle Aktien, die an den US-Börsen gehandelt werden. Da die Gewichtung streng nach Marktkapitalisierung erfolgt, haben die größten Unternehmen naturgemäß den stärksten Einfluss auf die Wertentwicklung. Momentan dominieren hier erwartungsgemäß Tech-Giganten wie Nvidia, Apple, Microsoft, Amazon und Alphabet das Geschehen.
Ein Portfolio für jede Lebenslage Der entscheidende Vorteil dieses Ansatzes liegt in seiner passiven Natur. Anleger müssen nicht mehr versuchen, mühsam die kommenden Gewinner auszuwählen, denn sie besitzen durch die breite Streuung automatisch die Titel, die den Markt anführen. Wechseln die Marktführer im Laufe der Zeit, passt sich das Portfolio von ganz allein an. Die Rendite entspricht somit immer exakt der des Gesamtmarktes. Interessanterweise ist der VTI dabei nur ein einzelner Baustein aus einer ganzen Reihe von Produkten, die breit gefächerte Märkte abdecken. Zur Verfügung stehen beispielsweise auch der Vanguard Total International Stock ETF (VXUS) für weltweite Aktien, der Vanguard Total Bond Market ETF (BND) für US-Anleihen und der Vanguard Total International Bond ETF (BNDX) für internationale Anleihen.
Globale Diversifikation leicht gemacht Mit nur diesen vier Instrumenten lässt sich ein extrem robustes Portfolio konstruieren, bei dem die Gewichtung lediglich an das persönliche Risikoprofil und den Anlagehorizont angepasst werden muss. Wer etwa vor direkten Investments in ausländische Aktien zurückschreckt, mischt seinem Depot einfach einen internationalen ETF bei und glättet so langfristig seine Rendite, da sich internationale Märkte oft unabhängig vom heimischen Markt bewegen. Wem der Rentenmarkt zu komplex erscheint, der greift zu den entsprechenden Anleihen-ETFs. Diese Papiere sorgen für zusätzliche Stabilität und kontinuierlichere Erträge. Es ist exakt diese simple, aber hocheffektive Strategie der Risikostreuung, die Experten wie Thomas Kehl der breiten Öffentlichkeit heute so erfolgreich vermitteln.
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